Regulierungsmöglichkeiten der Leerverkäufe von Aktien

Aktien-Guru Aktien 4aLeerverkäufe sind gesetzlich nicht speziell geregelt. In verschiedenen europäischen und nicht-europäischen Staaten besteht die Möglichkeit, Leerverkäufe vorübergehend einzuschränken oder ganz zu untersagen. In Deutschland kann die BaFin gemäß § 4 Abs. 1 WpHG Leerverkäufe in inländischen Aktien untersagen, wenn eine erhebliche Marktstörung droht. Vergleichbare Eingriffsmöglichkeiten gibt es in anderen Ländern.

So z. B. hat die BaFin im Zuge der Finanzkrise ab 2007 (zeitweilig) ungedeckte Leerverkäufe von Aktien bestimmter Kreditinstitute, Börsenbetreiber, Versicherungsunternehmen und weiteren Unternehmen der Finanzbranche verboten, da bei der derzeitigen Lage der Kapitalmärkte ein Einwirken auf die Marktpreise zu exzessiven Preisbewegungen führe, welche die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnten. Ende Januar 2010 wurde in Deutschland das Verbot ungedeckter Leerverkäufe, das die Aktien von elf Finanzunternehmen betraf, von der BaFin wieder aufgehoben, da sich die Situation an den Finanzmärkten wieder entspannt hatte.

Ab 2007 wurden Leerverkäufe von Finanzwerten ebenso in Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Australien, Kanada, Taiwan, Portugal und Irland und in Österreich verboten oder eingeschränkt. In den Vereinigten Staaten hat die SEC (United States Securities and Exchange Commission) 2005 eine spezielle Regelung, die Regulation SHO, für das Naked Short Selling aufgestellt und diese Regelungen im September 2008 verschärft.

Im Zuge der Eurokrise wurden im August 2011 Leerverkäufe von Finanzwerten in Frankreich und Italien vorübergehend verboten. Spanien und Belgien planen nach Angaben der ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) ähnliche Maßnahmen.

Rechtslage und Verbotsmöglichkeit

Seit 2012 hat die ESMA die Befugnis erhalten, Leerverkäufe zu verbieten. Es gilt die EU-Verordnung (EU-LeerverkaufsVO) Nr. 236/2012 über Leerverkäufe und bestimmte Aspekte von Credit Default Swaps (CDS) und vier konkretisierende Ausführungsvorschriften hinsichtlich Begriffsbestimmungen, Durchführungsverordnung zur Festlegung technischer Durchführungsstandards und technische Regulierungsstandards. Die EU-Leerverkaufsregulierung sieht Verbotsregelungen für ungedeckte Leerverkäufe in Aktien und öffentlichen Schuldtiteln sowie ungedeckten CDS auf öffentliche Schuldtitel (Art. 12 ff. EU-LeerverkaufsVO) und Transparenzregelungen für Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien, öffentlichen Schuldtiteln und gegebenenfalls CDS (Art. 5 ff. EU-LeerverkaufsVO) vor. Im Januar 2014 bestätigte der Europäische Gerichtshof, dass die EU Leerverkäufe verbieten dürfe.

Meldepflicht

Hält eine natürliche oder juristische Person signifikante Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien, die an einem Handelsplatz der EU gehandelt werden, sind diese seit dem 1. November 2012 gemäß der EU-LeerverkaufsVO der zuständigen Behörde zeitnah anzuzeigen.

Eine „Netto-Leerverkaufsposition“ liegt vor, wenn die Anzahl der gehaltenen Short-Positionen die Anzahl der gehaltenen Long-Positionen übersteigt. Bei Aktien liegt beispielsweise Signifikanz vor, wenn die Netto-Leerverkaufsposition 0,2% oder mehr des ausgegebenen Aktienkapitals beträgt („Meldeschwelle“). Werden 0,5% oder mehr erreicht, werden die Positionen der Öffentlichkeit offengelegt („Offenlegungsschwelle“). In Deutschland sind offengelegte Netto-Leerverkaufspositionen dem Bundesanzeiger zu entnehmen.

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Wie funktioniert der Leerverkauf von Aktien?

Aktien-Guru Aktien 3aBeim Leerverkauf einer Aktie handelt es sich um den Verkauf von Aktien am Aktienmarkt (im Gegensatz zum Leerverkauf von z. B. Futures am Terminmarkt), die sich aktuell nicht im eigenen Besitz befinden. Die Aktien werden zu diesem Zweck üblicherweise von einem Broker geliehen. Der Leerverkäufer ist jedoch verpflichtet, die Aktie zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzukaufen und sie somit wieder in den Besitz des Verleihers zu bringen.

Als Entschädigung für die Ausleihe erhalten die Broker vom Leerverkäufer eine entsprechende Gebühr. Alle laufenden Auszahlungen aus der Aktie (z.B. Dividende) müssen an den ursprünglichen Eigentümer des Wertpapiers ersetzt werden. Der Gewinn aus dem Leerverkauf einer Aktie ist der Differenzbetrag zwischen Verkaufs- und späterem Rückkaufkurs, abzüglich der in der Zwischenzeit geleisteten Auszahlungen aus dem Wertpapier. Der Besitzer der Aktie muss dabei nicht darüber informiert werden, dass sein Wertpapier in einen Leerverkauf verwickelt ist. Will er selber verkaufen, dann leiht sich der Broker die Aktie aus einem anderen Portfolio und verkauft diese, anstelle der leer verkauften Aktie.

Wie funktionieren Leerverkäufe?

Der Leerverkäufer verkauft die Papiere heute, die er dann zu einem späteren Zeitpunkt am Markt zurückkaufen muss. Ist der Preis, den der Leerverkäufer zahlt, um die Aktien zurückzukaufen gesunken, so hat er einen gewinnbringenden Trade gemacht (ausgenommen Leihgebühren/Kommission). Ist der Preis gestiegen, so hat er einen Verlust bringenden Trade gemacht.
Theoretisch ist die Menge des Gelds, das der Leerverkäufer verlieren kann, nicht begrenzt. Genauso kann der Preis der Aktie beim Rückkauf unendlich steigen.

Können Leerverkäufer tatsächlich den Markt beeinflussen?

Hier gehen die Meinungen der Experten auseinander. Während die einen den Einfluss von Leerverkäufern auf die Kurse der betroffenen Aktien komplett ausschließen, weisen andere auf Folgendes hin: Leerverkäufer machen nur dann einen Gewinn, wenn der Kursverfall der Papiere, auf den sie ja wetten, auch tatsächlich eintritt. Sie werden daher alles tun, um die Kursentwicklung in die von ihnen gewünschte Richtung zu lenken, etwa indem sie gezielt negative Informationen streuen.

Fazit

Bei Leerverkäufen spekuliert der Leerverkäufer auf fallende Kurse der jeweiligen Aktie. Maßgeblich für das Ergebnis eines Leerverkaufs ist lediglich die Entwicklung des Aktienkurses sowie die zu entrichtende Leihgebühr. Leerverkäufe werden erfahrungsgemäß bevorzugt in sehr volatilen Marktphasen vorgenommen. Bekanntermaßen fallen Aktienkurse deutlich schneller als sie steigen. Trader, die in den historisch betrachtet häufig auftretenden ruckartigen Abwärtstendenzen Aktien short handeln, erhoffen sich deshalb hohe Spekulationsrenditen.

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